Drei Fragen an die Gemeinderatsfrationen

Hinsichtlich der Kommunalwahlen am 26. Mai 2019 habe wir drei Fragen an die Gemeinderatsfraktionen gestellt.
Bei den Antworten haben wir uns erlaubt die besonders Waldstadt-freundlichen Aussagen grün und die unserer Ansicht nach nicht Waldstadt-freundlichen Aussagen rot zu hinterlegen.

Lesen Sie hierzu auch den interfraktionellen Antrag an den OB zur Begrenzung der Bauhöhen des Nachverdichtungsprojektes „Kolberger Str. 3-5“ (Tankstellengelände max. 3 Stockwerke, Garagenhof max. 4 Stockwerke, ab Kurve Richtung Osten max. 5 Stockwerke), initiiert von der KAL und mitgetragen von den Fraktionen FDP, Freie Wähler und FÜR Karlsruhe.
Die Abstimmung im Gemeinderat abgelehnt haben CDU, SPD, GRÜNE, DIE LINKE

Unsere Fragen

An: cdu@fraktion.karlsruhe.de, spd@fraktion.karlsruhe.de, gruene@fraktion.karlsruhe.de, kult@fraktion.karlsruhe.de, fdp-fraktion@karlsruhe.de, dielinke@gemeinderat.karlsruhe.de, afd@gemeinderat.karlsruhe.de, fuer.karlsruhe@gemeinderat.karlsruhe.de, info@fw-ka.de

Betreff: Kommunalwahl 2019 – drei die Baumaßnahmen in der Waldstadt betreffende Fragen

Vor der Kommunalwahl 2019 möchte die „Bürgerinitiative gegen unverhältnismäßige Nachverdichtung“ den Bewohnern in der Waldstadt die Positionen der zur Wahl antretenden Parteien in der Frage der Nachverdichtung mitteilen.

Daher bitten wir Sie freundlich, die unten gestellten drei Fragen zu beantworten. Sie können als Liste antworten oder einen Kandidaten der Liste beauftragen.

Insgesamt bitte nicht mehr als 3.500 Zeichen. Wir bitten Sie, uns Ihre Antwort bis spätestens 20. April 2019 zugehen zu lassen an die folgende Adresse: bauvorhaben@waldstadt-ka.de

Wir werden alle eingehenden Auskünfte veröffentlichen, auch auf fehlende hinweisen. Danke für Ihre geschätzte Mitarbeit!

Unsere Fragen:

    1. Die geplante Nachverdichtung beinhaltet massive Eingriffe in die Struktur und den Charakter der Waldstadt, der soziale Mix, Grünflächen und die Wohnqualität werden zwangsläufig verändert
      – Sind Sie für solche massiven Eingriffe, die z.B. bedeuten, dass weniger als 20m neben Einfamilienhäusern hohe Gebäude mit 8 Etagen gebaut werden dürfen oder bestehende bewohnte Altbauten abgerissen und durch neue höhere ersetzt werden?
    2. Bei den geplanten Gebäuden wird der Bedarf an PKW Stellplätzen mit 0,7 je Wohneinheit angegeben
      – Sind Sie der Meinung, dass dies in der aktuellen Situation, in der junge, moderne Pendler-Haushalte mit durchschnittlich mehr als nur einem Pkw ausgestattet sind, für korrekte und realistische Planungen spricht?
    3. Die massive Nachverdichtung bedeutet das Aus für viele Bäume, Tiere und Kleinlebewesen, Versiegelung weiterer Grünflächen innerhalb des Stadtteils, Eingriff in die Luftströme und die kühlende Wirkung des Waldgebietes
      – Sind Sie der Meinung, dass ein Stadtteil um jeden Preis wachsen muss, auch wenn das eine Verschlechterung der Lebensqualität mit sich bringt?

Die Antworten

<_h2>Dr. Tassi Giannikopoulos (KAL), 28.03.2019
Sehr geehrte Damen und Herren,

ich, Dr. Tassi Giannikopoulos, Kandidat auf der Karlsruher Liste auf Platz 8, der sich als Schwerpunkt gesetzt hat:

  • Moderne Infrastruktur
  • Intelligente Mobilität
  • Sinnvolle Nachverdichtung
  • Kommunales Europa

Würde ich gerne Ihre Fragen beantworten, da am Ende die Kommunalwahl eine Persönlichkeitswahl ist, stelle ich meine persönliche Meinung zur Verfügung.

Ihre Fragen:

  1. An erster Stelle steht der aktuelle Bedarf und die zukünftige Planung. Von 2017 auf 2018 stieg die Anwohnerzahl in KA um ganze 8 Personen, also sie blieb gleich. Es gibt zudem eine große Anzahl von Leerständen. Ich würde in erster Linie diesen Missstand aufräumen, dann die Zukunftsplanung über die gesamte Stadt prüfen, wie sieht es in 10-30 Jahren aus und daraus ableitend wo gebaut werden kann. Das Gesamtkonzept muss stehen. Vorort kann dann charakteristikerhaltend behutsam nachverdichtet werden, wenn überhaupt notwendig.
  2. Absolut unhaltbar, da ich auch aus einer Pendlerfamilie bin; Verheiratet und drei Kinder und in Stuttgart arbeitend. Ich bin für einen Schlüssel 1,0 pro Wohneinheit.
  3. Siehe Frage 1, das Gesamtkonzept muss stehen. Es gibt viele Stellschrauben. Um jeden Preis muss gar nix wachsen. Aber es steht die Devise: bauen, bauen, bauen, um den Mietpreis zu senken. Viel Geld wird verpulvert ohne sich den anderen Stellschrauben gewidmet zu haben.

In 15 Jahren, erinnert nur noch der Name Waldstadt an den Wald. Betonstadt mit schönem Ghetto-Charakter. Eine neue Polizeiwache wäre dann sicher angebracht.

Waldstadt – nicht Betonstadt!

Mfg
Tassi Giannikopoulos

KAL – Karlsruher Liste, 28.03.2019

  1. @Die Karlsruher Liste (KAL) spricht sich für ein neuen Rahmenplan aus, der die heutigen
    Gegebenheiten berücksichtigt. Alles muß neu gedacht werden.
    Die jetzt geplante Nachverdichtung in der Waldstadt darf so nicht umgesetzt werden.
    Der bisherige Rahmenplan sieht an der Kolbergerstraße etwas ganz anderes vor, als die Investoren jetzt umsetzen wollen: Die Höhen stimmen nicht, die Abstände zur vorhandenen Bebauung stimmen nicht.
    Das Gebäude mit 8 Etagen vor den Einfamilienhäusern ist im jetzigen Rahmenplan nicht
    vorgesehen. Dieses städtische Grundstück darf nicht verkauft werden hier muß die Stadt der Bürgerschaft eine eigene Planung vorstellen.
    Eine angemessene Bebauung des Garagenhofs trägt die Karlsruher Liste mit.
    Auch ein eventueller Abriss von Wohnhäusern darf nur in enger Absprache mit den dortigen Mieterinnen und Mietern erfolgen.
  2. @Die Karlsruher Liste befürwortet einen Schlüssel von 1,0 pro Wohneinheit.
  3. @Die Karlsruher Liste wendet sich massiv gegen die Nachverdichtung von unversiegelter Fläche.
    Wer in Karlsruhe von Klimaschutz redet muß vor der eigenen Haustür anfangen. Beim Franz-Rohde-Haus in der Weststadt wurde durch Beschlüsse im Gemeinderat ein Pocketpark zerstört. Im Fasanengarten in der Oststadt wird auf Beschluss des Gemeinderats eine grüne Oase dem Erdboden gleich gemacht. Im Sophiencarrée in der Weststadt wird nicht nur die versiegelte Fläche bebaut, sondern auch mit dem
    Segen aller Parteien im Rathaus, ein kleines Pflanzen- und Vogelparadies ausradiert.
    In der Waldstadt besteht die Gefahr, dass mehrere hundert Bäume gefällt werden.
    Mit allen negativen Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt und das Kleinklima der Waldstadt.
    Keine Wachstumszenarien der Stadtpolitik können all diese Maßnahmen rechtfertigen.

FÜR Karlsruhe, 05.04.2019

  1. FÜR Karlsruhe hat sich der fraktionsübergreifenden Initiative angeschlossen, die Geschoßhöhe auf Baumhöhe zu begrenzen, das heißt max. 4-5 Geschosse zuzulassen und im Straßenbereich nur dreigeschossig zu bauen. Darüber hinaus haben wir den Impuls gegeben die Notwendigkeit für einen Nahversorger nochmals überprüfen zu lassen. Aus unserer Sicht sind genügend Einkaufsmöglichkeiten in der Waldstadt vorhanden.
  2. Durch nur 0,7 PKW Stellplätze pro Bewohner würde sich die Parksituation, die in der Waldstadt schon mehr als problematisch ist, weiter verschärfen. Der Schlüssel müsste bei 2,0 liegen, damit Parkraum für andere Waldstadtbürger geschaffen wird.
  3. Ohne Frage braucht es in Karlsruhe mehr an bezahlbarem Mietwohnungsbau. Bei der Suche nach Baugrund hat sich der Gemeinderat mit der großen Mehrheit dafür ausgesprochen nicht weiter die grüne Wiese zu versiegeln. So ergibt sich zwangsläufig den Stadtraum nach bebaubaren Grundstücken zu durchsuchen. FÜR Karlsruhe sieht dabei folgende Kriterien für eine Nachverdichtung:
    Es braucht einvernehmliche Lösungen mit der Nachbarschaft, dem Bürgerverein und anderen Akteuren im Stadtteil der Verwaltung und der Politik. Dazu muss ein runder Tisch geschaffen werden, der ein Ausgleich der Interessen möglich macht. Aktuell zeigt sich, dass es in vielen Stadtbereichen brodelt. FÜR Karlsruhe steht dafür, gemeinsame Lösungen zu entwickeln.
    • Soziale Belange müssen berücksichtigt werden.
    • Klimatische Faktoren, wie Durchlüftung, Versiegelung, etc. müssen gelöst werden können.
    Wachstum um jeden Preis ist kein Wert. Wohnraumschaffung ist auch die Aufgabe der Politik. Der soziale Frieden in der Stadt darf dabei aber nicht geopfert werden.

Freie Wähler Karlsruhe, 11.04.2019

  1. Wir Freien Wähler Karlsruhe, stehen der Nachverdichtung in Karlsruhe sehr kritisch gegenüber. Eine Nachverdichtung darf sich nur am tatsächlichen Wohnraumbedarf orientieren, auf bereits versiegelten Flächen und nur in einem verträglichen Maß für bisherige Be-/Anwohner. Eine Verdichtung, wie sie in den Stichstraßen der Waldstadt geplant ist, lehnen wir kategorisch ab! Immobilien sind oft ein wichtiger Teil der Altersvorsorge. Der Bau von Hochhäusern in direkter, kurzer Distanz zu Einfamilienhäusern führt zu einer deutlichen Beschattung und somit zu einer Entwertung der Bestandsimmobilien. Durch die massive Bebauung auf engem Raum sehen wir die gewachsene soziale Wohnstruktur in Gefahr.
  2. Gemäß den Bauvorschriften ist je Wohneinheit ein Stellplatz Pflicht. In der Realität ist der Bedarf noch deutlich höher, da fast jeder Haushalt über zwei Fahrzeug verfügt, ohne den Platzbedarf für Fahrräder, E-Roller usw. zu berücksichtigen. Die Freien Wähler Karlsruhe sehen hier große Probleme für die Verkehrssituation in den Stichstraßen der Waldstadt, die größtenteils jetzt schon an der Kapazitätsgrenze sind, was den ruhenden und den mobilen Verkehr betrifft. Durch Verdichtung mit bis zu 29 Gebäuden in einer Stichstraße wird die Verkehrssituation eskalieren und zu einer Belastung für Anwohner und eine Gefahr für Kinder und ältere Menschen werden. Wir Freien Wähler fordern hier eine Anpassung der Planungen an den tatsächlichen Bedarf und eine zukunftsfähige, ökologische Verkehrsplanung für die Waldstadt.
  3. Der Stadtteil Waldstadt wurde konzipiert als „Stadt im Wald“ dieser Charakter muss erhalten bleiben. Gerade die vielen Bäume, Tiere und die Luftschneisen vom Hardtwald kommend machen den Charme der Waldstadt aus. Wir Freien Wähler sind der Auffassung, dass eine Stadt nicht um jeden Preis wachsen muss! Im aktuellen Trend zeichnet sich ab, dass gerade junge Familien wieder mehr ins Umland abwandern, auch auf Grund der hohen Preise in der Stadt. Nach unseren Recherchen ist der Wohnraumbedarf vor allem im Bereich Studentenwohnungen, Sozialwohnungen und barrierefreien Wohnungen gegeben. Eine massive Nachverdichtung um Investoreninteressen zu befriedigen oder die Stadtgröße im Städteranking zu erhöhen lehnen wir entschieden ab!

FDP – Fraktion, 18.04.2019

  1. Ganz klar: Nein! Es muss Wohnraum geschaffen werden, eine Nachverdichtung ist grundsätzlich ein gutes Mittel, aber derart massive Eingriffe gehen wir nicht mit. Zusätzlich ist es skandalös, wie die Verwaltung hier mit den Bürgerinnen und Bürgern umgegangen ist. Meinungen einholen und dann anders agieren ist kein guter Stil. Deshalb haben wir auch den gemeinsamen Antrag (s. Antrag) mitgezeichnet.
  2. Nein, leider nicht. Das Thema wird immer wieder hin und her diskutiert. Es wird ein Schlüssel festgelegt, der aber nicht immer für die Vorortgegebenheiten passt. Wir sehen hier Nachholbedarf sobald die Planungen konkreter werden. Es müssen in der Waldstadt insgesamt mehr Parkflächen (Tiefgaragen, Quartiersparkhaus u.ä.) erreicht werden.
  3. Nein, dieser Meinung sind wir nicht. Der Eingriff in der Waldstadt ist zu massiv und auf der Karlsruher Gemarkung gibt es Alternativen. So hat die FDP-Fraktion z.B. seit längerem gefordert, Supermarktparkplätze auf Stelzen zu überbauen, so dass die Parkfläche erhalten bleibt, kein neuer Boden versiegelt wird und trotzdem Wohnraum geschaffen. Gleichermaßen forderte die FDP eine Umnutzung von Verwaltungsimmobilien in der Stadt, um dort Wohnraum zu schaffen. Es gibt also Alternativen, die genutzt werden können und solch massive Eingriffe müssen verhindert werden. Auch dies war für uns Anlass, den Antrag mitzuzeichnen.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Karlsruhe, 18.04.2019

  1. Insgesamt ist bisher nur der zusätzliche Bau von genau drei Häusern geplant. Zusätzlich werden 15 Häuser abgerissen und neu gebaut. Wie hoch die alle werden und wie sie aussehen werden, ist noch nicht entschieden. Wir brauchen tatsächlich mehr Wohnraum für die wachsende Bevölkerung in Karlsruhe. Den wollen wir nicht in einem neuen Stadtteil bauen, für den dann einschließlich neuer Straßen eine erhebliche Flächenversiegelung nötig wäre. Deshalb sind wir dafür, höher zu bauen als bisher. Das muss aber verträglich sein. Was „verträglich“ ist, dazu verlassen wir uns auf die Expertise des Stadtplanungsamtes und wägen ab mit dem, was die Bevölkerung meint. Das heißt aber nicht, dass jeder Protest dazu führt, dass nirgendwo etwas verändert werden kann.
  2. Alle neu gebauten Häuser werden 1,0 Stellplätze je Wohneinheit haben, dazu kommen Parkierungen für die neue Nahversorgung. Dadurch wird sich insgesamt in diesem Gebiet die durchschnittliche Zahl der Stellplätze von bisher 0,3 auf dann 0,7 je Wohnung erhöhen. Die Versorgung mit Parkplätzen wird also deutlich besser als bisher. (*)
  3. Die Markierungen, die an den vorhandenen Bäumen angebracht wurden, dienen der Bestandsaufnahme, weil die Bäume weitestgehend erhalten werden sollen. Nur ganz wenige müssen für die tatsächlich nur drei zusätzlichen Gebäude gefällt werden. Das halten wir für verträglich. Mehr ist nicht nötig, eben weil weitere Wohnungen durch Höhenwachstum geplant sind. Die kühlende Wirkung in der Waldstadt geht von den dort stehenden Bäumen aus und wird fast vollständig erhalten bleiben.

    Wir sind davon überzeugt, dass diese Projekte nach intensiven Beratungen durch Fachleute wie den Gestaltungsbeirat, in der Öffentlichkeit in der Stadt wie im Quartier und auch in den gemeinderätlichen Gremien am Ende zu deutlichen Verbesserungen für die gesamte Stadtgesellschaft und auch für die Waldstadt führen werden.

(*) Anmerkung von Waldstadt-KA: siehe hierzu die Ausführungen zu der Parkplatzsituation in der Kolberger Str. 3-5

CDU-Gemeinderatsfraktion Karlsruhe, 20.04.2019

  1. Die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, sondern muss im Einzelfall erörtert werden. Nehmen wir als Beispiel für Wohnqualität das Thema Nahversorgung, also Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie, etc.

    Es ist komfortabel, gerade auch für ältere, nicht mehr so mobile Menschen, wenn gleich um die Ecke eine Möglichkeit zum Einkaufen oder essen gehen besteht.
    In der Waldstadt war dies in den Gründerjahren der Fall. In jeder großen Straße war ein sogenannter Nahversorger, Bäcker, Metzger, Restaurant, etc. angesiedelt. Das war Wohnqualität.
    Nun wird die CDU-Fraktion immer wieder darauf angesprochen, dass die diesbezügliche Infrastruktur mittlerweile teilweise fehlt. Die Gründe sind vielfältig, auch die Änderungen im Einkaufsverhalten der Menschen über die Jahrzehnte spielen hier sicherlich eine Rolle. In diesem Aspekt hat sich der Charakter der Waldstadt bereits über die Jahre geändert. Hier gilt es nachzusteuern. Auch das behutsam, den aktuellen Gegebenheiten angepasst und die vorhandene, funktionierende Infrastruktur der bestehenden Geschäfte berücksichtigend.

    Vor diesem Hintergrund kommen wir wieder auf unseren ersten Satz zurück.
    Nachverdichtungsvorhaben müssen von Fall zu Fall geprüft werden und es ist gut, dass die Stadtverwaltung und auch der Bauvorhabenträger Gesprächsbereitschaft signalisiert haben. Wir benötigen mehr Wohnungen in Karlsruhe. Das bedeutet, auch in der Waldstadt wird es zu Nachverdichtungen kommen. Kein Stadtteil kann sich dieser gesellschaftlichen Verantwortung komplett entziehen. Als CDU-Fraktion werden wir aber darauf hinarbeiten, dass eine behutsame Nachverdichtung und eine Beteiligung der Öffentlichkeit stattfinden werden. Die Devise muss sein: Nachverdichtung ja, aber mit Maß. Der Charakter der Waldstadt muss erhalten bleiben.

  2. Nach unseren Informationen verhält sich der Sachverhalt anders. Die neu geplanten Wohnungen werden alle mit dem Stellplatzschlüssel ein Stellplatz pro Wohneinheit berechnet. Angesichts des Flächenmangels und mit Rücksicht auf weitere Flächenversiegelungen, aber auch hinsichtlich der Kosten beim Bau von Tiefgaragen empfinden wir diesen Schlüssel als soliden Kompromiss.

    Die Zahl „0,7“ begegnete der CDU-Fraktion jedoch auch:
    Laut Angaben der Stadtverwaltung gibt es derzeit in der Königberger Straße folgenden Stellplatzschlüssel: 0,35 PKW/WE.
    Der für die Neubauten vorgesehene Stellplatzschlüssel beträgt: 1,0 PKW/WE.
    Daraus resultierender, faktischer Stellplatzschlüssel nach Durchführung aller Nachverdichtungsmaßnahmen: 0,7 PKW/WE, also eine Verbesserung zum Status Quo.

    Wir werden bei den anstehenden Veränderungen ein Auge darauf haben, dass es nicht zu einer Verschlechterung, sondern einer Verbesserung der Parkplatzsituation kommt.

  3. Auch hier müssen wir sagen, dass die Frage beziehungsweise die These zu allgemein sind.

    Lebensqualität lässt sich objektiv, aber auch subjektiv definieren. Aber Subjektivität ist für jeden Menschen anders. Der eine freut sich, wenn er in der Waldstadt Zugang zu barrierefreien Wohnungen erhält, andere lieben ihren Altbau und möchten dort wohnen bleiben. Der eine freut sich, durch den Wald zu spazieren, der andere würde lieber sein Auto aufgeräumt wissen. Es ist alles eine Frage der Perspektive beziehungsweise der Prioritäten und dann auch der Kompromisse.

    Der Wald gehört zur Waldstadt und das soll auch so bleiben. Deshalb muss der Eingriff in Natur und Wald so gering wie möglich gehalten werden.

SPD-Gemeinderatsfraktion Karlsruhe, 23.04.2019

  1. Der Rahmenplan Waldstadt sieht eine Nachverdichtung vor. Diese muss jetzt mit Vernunft und Kompromissen in Bebauungspläne umgesetzt werden. Die Struktur der Waldstadt als Stadt im Wald muss dabei erhalten werden. Es müssen bei Umbauten auch heutige Komfort- und Energiestandards einhalten werden. Daher kann ein Neubau sinnvoller sein als eine umfangreiche Sanierung. Bei Neubauten muss auch Parkraum in Tiefgaragen gebaut werden. Die Volkswohnung wird für alle Mieter preiswerten Ersatzwohnraum bereitstellen, wenn ein Altbau der Volkswohnung abgerissen werden soll.
  2. Diese Behauptung ist nicht richtig. Die Landesbauordnung sieht je Neubauwohnung 1 Stellplatz vor. Nur für Studentenwohnheime gilt ein anderer Schlüssel. Dadurch dass die Waldstadt in der damaligen Zeit mit 1 Stellplatz je 2 Wohnungen gebaut wurde ist der Parkdruck groß. Das ist bekannt und die Verbesserung der Parksituation muss in den Bebauungsplänen berücksichtigt werden, beispielsweise indem der Strassenraum verändert wird und weitere Parkbuchten entstehen.
  3. Die Lebensqualität wird verbessert, wenn ungenutzte Ladenzeilen oder überdimensionierte versiegelte Garagenhöfe besser genutzt werden.
    Das Klima und die Durchlüftung müssen untersucht und berücksichtigt werden. Der Wald bietet gerade im Sommer angenehme Kühle. Der Klimaschutz ist hier bei allen Veränderungen zu berücksichtigen.
    Die markierten Bäume in der Kolberger Straße werden erfasst und eingemessen, nicht gefällt, wie fälschlicherweise behauptet wurde.

DIE LINKE Karlsruhe, 25.04.2019

  1. Aufgrund des massiven Mehrbedarfs an preiswertem Wohnraum ist Karlsruhe gezwungen, sich um zusätzliche Wohnungen zu bemühen. Gleichzeitig ist klar, dass Karlsruhe sehr behutsam vorgehen muss, damit das Stadtklima nicht nachteilig beeinflusst wird. Das bedeutet, Karlsruhe braucht seine Grünflächen und Bäume. Um die Belüftung zu gewährleisten müssen die Frischluftschneisen erhalten werden. Auch deshalb dürfen Flächen nicht mehr für ein- bis zweigeschossige Bauwerke verbraucht und versiegelt werden. Um den Wohnungsmangel zu beheben, setzt sich DIE LINKE für mehrstöckiges Bauen ein. Allerdings sind wir in Karlsruhe entschieden gegen Hochhäuser, da diese die Frischluftzufuhr gefährden. Aber die maßvolle Aufstockung bestehender Gebäude sollte in jedem Fall geprüft werden und durch die Stadt gefördert werden.
    Bisherige Mieter oder Eigentümer aus ihren Wohnungen zu drängen lehnen wir ab. Bei notwendigen baulichen Maßnahmen und Erweiterungen müssen immer adäquate Ersatzwohnungen angeboten werden und ein Rückkehrrecht vereinbart werden.
  2. DIE LINKE macht die Erfahrung, dass gerade junge Menschen in unserer Stadt auf einen privaten PKW verzichten. Der Klimaschutz ist vielen jungen Menschen ein besonderes Anliegen, und sie tragen auf diese Weise ihren Teil dazu bei. Stattdessen wären viel mehr Fahrradstellplätze und Radwege notwendig um diese neue Lebensweise zu fördern. Auch der Ausbau eines preiswerten oder künftig sogar Ticketfreien Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) und ein gutes Angebot an Carsharing sind für die meisten jungen Menschen und jungen Familien heutzutage ein Anreiz, sich in Karlsruhe niederzulassen.
  3. Die Stadtteile sollen nicht „um jeden Preis“ wachsen. Allerdings sind Bevölkerungszuzug in Karlsruhe und ein immer höherer Pro-Kopf-Bedarf an Wohnraum Tatsachen, die Lösungen erfordern. Die Lösungen können aber nicht darin bestehen, an den Stadträndern weitere Siedlungen anzubauen. Dies führt zu enormem Flächen- und Ressourcenverbrauch auch für die zusätzliche Infrastruktur, wie Straßen und Wege, Versorgungsleitungen etc. Diese Flächen fehlen u.a. auch der Landwirtschaft als Ackerflächen. Als LINKE wollen wir auch aus Umweltschutzgründen durch regionale Kreisläufe die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln gewährleisten.
    Weiterer Flächenverbrauch und -versiegelung ist für unser Klima noch schädlicher, als die Nachverdichtung bereits bebauter Flächen. Dies muss behutsam angegangen werden und mit Klimaschutzgutachten vorbereitet und mit entsprechenden Ausgleichsmaßnahmen begleitet werden. Das lässt sich leider nicht pauschalieren und muss jeweils im Einzelfall betrachtet und entschieden werden.

AfD Karlsruhe, 29.04.2019

  1. Nein, wir sind gegen solche Eingriffe und werden künftig im Gemeinderat und den entsprechenden Ausschüssen dagegen stimmen, so wie wir dies in der letzten Zeit auch schon getan haben.
  2. Wir sind gegenteiliger Meinung und haben diese Position in entsprechenden Redebeiträgen im Gemeinderat und seinen Ausschüssen auch bisher schon vertreten: In der Waldstadt gibt es in den fraglichen Bereichen bereits jetzt zu wenig Parkplätze. Wenn jetzt tatsächlich neu gebaut wird, muss daher die Anzahl der Parkplätze größer als 1,0 sein, um den bereits vorhandenen Bedarf mit abzudecken. 1,5 bis 2,0 Parkplätze pro neuer Wohneinheit sind aus unserer Sicht bei Neubauten in den derzeit zur Diskussion stehenden Bereichen der Waldstadt notwendig.
  3. Gemeinderat und Oberbürgermeister sind zuerst den Bürgern verpflichtet, die bereits in Karlsruhe wohnen, denn die wählen sie ja auch, und nicht die, die erst noch zuwandern möchten. Daher darf eine Verschlechterung der Lebensqualität auf keinen Fall stillschweigend in Kauf genommen werden, nur um Karlsruhe noch größer zu machen. Grüne Pflanzen, Sträucher und Bäume und Freiräume als Frischluftschneisen sind wichtig für das Mikroklima in den einzelnen Stadtteilen, sogar in den einzelnen Straßen unserer Stadt und müssen erhalten bleiben.
    Deshalb sind wir der Meinung, und das steht auch so in unserem Kommunalwahlprogramm, dass die Grenzen des Wachstums in Karlsruhe bereits erreicht sind. Karlsruhe kann nicht weiter wachsen, ohne seinen Charakter als grüne Stadt Schritt für Schritt zu verlieren. Dem stellen wir uns entgegen und werden dies auch künftig tun.

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