ArKas-Fachbeirat Peter Liptau, Bauhistoriker und Autor bei moderneREGIONAL, zur Waldstadt

„[…] Der vorgelegte Entwurf bzw. dieses Nachverdichtungs-Konzept täuscht das Eingehen auf die Umgebungsbebauung nur vor, zeugt aber von völligem Unverständnis dessen. Die Baukörper sind zu groß, stehen zu eng, verbauen Blickachsen. Außerdem stehen sie für das Verständnis für den Begriff „Waldstadt“ viel zu nah am Straßenraum. Sie nehmen zwar vorhandene, an dieser Stelle aber falsche Baulinien auf. Außerdem stehen die wüfel- und quaderförmigen Bautypen aller Umgebungsarchitektur entgegen. Ein findiges Architekturbüro KÖNNTE hier den ‚Gedanken Waldstadt‘ in einem kreativen Weiterdenken der Strukturen und vorhandenen Baukörper möglicherweise weiterentwickeln. Das könnte auch Schule machen für die anderen Stichstraßen. Das hier vorliegende ‚Konzept‘ tut das aber eben in keiner Weise.“

Quelle: https://arbeitsgemeinschaftkarlsruherstadtbild.com/rote-liste-karlsruher-kulturdenkmale/waldstadt-kolberger-strasse

Die Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Stadtbild e.V. stellte die Waldstadt im Januar 2019 auf die Rote Liste der bedrohten Kulturdenkmäler Karlsruhes

Lageplan des Wettbewerbsentwurfs der Waldstadt von Karl Selg von 1956/57, der „Urplan“, welcher der Ausführung zugrunde gelegt wurde (saai am KIT, Werkarchiv Karl Selg)

„Denn das markante städtebauliche Zeugnis der Ära Klotz aus den 60er Jahren, für das Karlsruhe überregional bekannt ist, droht durch Nachverdichtung zerstört zu werden. Überlegungen in den frühen 1990er-Jahren zu Verdichtungsmaßnahmen an der offenen Siedlungsstruktur wurden nach genauer Prüfung durch das Stadtplanungsamt glücklicherweise wieder zu den Akten gelegt. Nun wird die Waldstadt durch eine unmaßstäbliche Nachverdichtung an der Kolberger Straße erneut massiv bedroht. Alle Hemmungen scheinen vor dem Hintergrund des erneuten Wohnungsengpasses gegenwärtig zu fallen: Ein tatsächlich wenig attraktiver Garagenhof soll nicht etwa – wie früher bereits jener an der Insterburger Straße – durch eine unproblematische Einfügung von verdichteten Flachbauten ersetzt werden. Heute will man hier nun vier massive, fünf bis 8-geschossige Hochbauten hineinklotzen, welche die charakteristische Struktur der Waldstadt an dieser Stelle völlig auf den Kopf stellen würden. Ob wohl in letzter Minute noch Augenmaß und Vernunft siegen? Nachverdichtung ist sicherlich notwendig, aber nicht zum Preis der Zerstörung eines auch städtebaugeschichtlich wertvollen Kontextes.“

Quelle: https://arbeitsgemeinschaftkarlsruherstadtbild.com/2019/01/21/rote-liste-waldstadt

Flyer zum Bauvorhaben Kolberger Str. 3-5

Bauvorhaben in der alten Waldstadt drohen Bewohner, Natur und Umwelt zu belasten

Liebe Mitbewohner der alten Waldstadt,
Das Stadtplanungsamt hat vor, zur zukünftigen Entwicklung der Waldstadt sogenannte „mindergenutzte Flächen“ heranzuziehen (im Plan braun umrandet), um dort neu zu bauen und „in die Höhe“ zu verdichten. (Anschauliches Beispiel: SOPHIA-Haus, Königsberger Str. 37 a-b).

Weiter geführt werden sollen die Neubauten zunächst in der Kolberger Str. 3 – 5, für die ein „Vorhabenbezogener Bebauungsplan“ derzeit in Fertigung ist. Geplant ist ein Wohnungskomplex, der so
aussehen könnte wie abgebildet (grau ist die alte Bebauung, beige die neugeplante).

WAS BEDEUTET DAS PRAKTISCH?
Auf die Flächen der bisherigen Garagen und der Tankstelle sollen noch einmal so viele Wohnungen gebaut werden, wie das Hochhaus oder das Reihenhaus Kolberger Str. 12 a – g jeweils fassen; zudem sollen weitere Geschäfte entstehen – und natürlich braucht man dafür Parkflächen, ebenerdig und unterirdisch! Der Grundwasserspiegel sinkt weiter und die Bäume haben es noch schwerer gesund zu bleiben.

Die Neubauten sind in die Luftschneisen der Waldstadt platziert und versperren die vom ursprünglichen Landschaftsarchitekten für wesentlich befundene Luftbewegung.
Bisher sind die „mindergenutzten“ Flächen Oasen der Ruhe, ein ungenutzter Raum zwischen den Wohnungen. Mit der Verdichtung kommen der Verkehr, der Lärm und der Kampf um den Parkraum, wie in den anderen Stichstraßen der alten Waldstadt!

Wir wollten nicht in Oberreut oder im City Park Süd wohnen, sondern in der Waldstadt mit viel Grün, Licht, Luft, Pflanzen und Tieren und relativer Ruhe, sozusagen mit Naherholungscharakter.
Das ist nun in den kommenden Jahren in Gefahr, wenn die Pläne der Stadt umgesetzt werden – demnächst zuerst in der Kolberger Straße, in der ein Präzedenzfall gebaut werden soll, dann aber bald auch
an anderen Stellen, an denen die Planer Handlungsbedarf sehen. (siehe Plan S. 1!)
Das wird keine „behutsame“ Umwidmung und Verdichtung sein, sondern ein drastischer Eingriff in den bisherigen Charakter des Wohnens in der alten Waldstadt. Vor allem, wir wiederholen das, werden die
wichtigen „Luftschneisen“ weiter zugebaut durch hohe Gebäude, Der Verkehr nimmt in unbekannter Weise zu und die damit verbundenen Parkprobleme auch.

WAS SAGEN DIE STÄDTISCHEN PLANER DAZU?
„Ziel der geplanten Umstrukturierung sollte es sein, die Aufenthaltsqualität und Attraktivität der Waldstadt insgesamt zu steigern. Neben einer Rendite für die Investoren müssen die Projekte auch einen
Mehrwert für die Waldstadt liefern.“ „Sehr behutsam“ solle „mit dem bestehenden Freiraumsystem umgegangen“ werden.
Die Eigentümer und Anwohner seien auf allen Planungsebenen an der Entscheidungsfindung zu beteiligen – so der Rahmenplan Waldstadt – Waldlage.

WAS IST ALSO ZU TUN?
Zunächst einmal eine Neubebauung, wie im Bild auf der folgenden Seite dargestellt, zu verhindern:
So viel Verdichtung schadet den Menschen, dem Stadtteil und der Natur und führt zunächst einmal nur ganz praktisch zu Eingriffen in die Natur, zu Baustellenlärm, Kampf um Parkflächen, mehr Verkehr, mehr Abgasen – zu Dingen, die wir nicht wollen. Und das im Laufe der Zeit an allen Stichstraßen der alten Waldstadt.
Vor allem das Hochhaus, in dem Eigentumswohnungen entstehen sollen, ist in unmittelbarer Nachbarschaft eingeschossiger Bauten entgegen den Vorgaben des Bebauungsplans für die Waldstadt konzipiert!

Wenn Sie wie wir ähnliche Bedenken angesichts dieser Bauvorhaben in der Waldstadt haben, möchten wir Sie auffordern, mit uns Ihre Stimme zu erheben und von Ihrem Mitwirkungsrecht bei der Neugestaltung Ihrer Wohnumwelt Gebrauch zu machen.

Die Eigentümer und Anwohner seien nämlich auf allen Planungsebenen an der Entscheidungsfindung zu beteiligen – so sieht es der Rahmenplan Waldstadt – Waldlage ausdrücklich vor!

Sie können mit dem Bürgerverein auf die Änderung der Pläne hinarbeiten und den städtischen Planungsprozess im Auge behalten:
– www.karlsruhe.de
Stadtplanung und Bauen /
Bebauungsplanung / Bebauungspläne
im Verfahren / VbB Kolberger Str. 3-5
– Im Amtsblatt der Stadt Karlsruhe
– Im Waldstadtbürger

ANSPRECHPARTNER
Rita Kienzle
Rita.Kienzle@gmail.com

Natalie u. Andreas Spuller
andreas-spuller@web.de

Hans Diefenbach
Königsberger Straße 1
76139 Karlsruhe

Bei Einwänden bittet das Stadtplanungsamt unter dem Aktenzeichen
Vorhabenbezogener Bebauungsplan Kolberger Straße 3-5 um Stellungnahmen der Bürger.

Stadtplanungsamt Karlsruhe
Lammstraße 7
76133 Karlsruhe
T: 0721 133 6101
stpla@karlsruhe.de

Hier ist der Flyer als PDF zum herunterladen:
FaltFlyer Kolberger Straße 3-5 14_07_2018

Vorhabenbezogener Bebauungsplan „Kolberger Str. 3-5, Waldstadt“

Worum es geht:

Auf der Grundlage des städtebaulichen Rahmenplans zur Innenentwicklung in der Waldstadt – Waldlage soll ein vorhabenbezogener Bebauungsplan aufgestellt werden.

Der Geltungsbereich umfasst in mindergenutztes Garagengrundstück und ein mit einer Tankstelle bebautes städtisches Grundstück in der Kolberger Straße. Geplant ist die Errichtung von insgesamt ca. 52 Wohneinheiten in drei fünfgeschossigen Gebäudezeilen sowie von ca. 25 Eigentumswohnungen in einem achtgeschossigen Punkthaus. In der Erdgeschosszone der drei Gebäudezeilen ist ein Lebensmittelmarkt mit einer Verkaufsfläche von unter 700 m² vorgesehen. Die baurechtlich notwendigen Stellplätze können in der Tiefgarage nachgewiesen werden. Weitere Stellplätze werden ebenerdig hergestellt.

Bebauungsplanverfahren:

Die vom Baugesetzbuch vorgesehene frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit erfolgte in einer öffentlichen Veranstaltung am Mittwoch, 25. April 2018 in der Aula des Otto-Hahn-Gymnasium.

Hierbei wurde über Ziele und Zwecke und voraussichtliche Auswirkungen der Planung informiert. Es bestand die Möglichkeit, den Bebauungsplan zu erörtern sowie sich zur Planung zu äußern.

Der erarbeitete Bebauungsplanentwurf wird später nach Fertigstellung für einen Monat öffentlich ausgelegt. Während dieser Zeit können nochmals Stellungnahmen abgegeben werden.

Kontakt:

Stadtplanungsamt
Telefon 0721 133-6131
Telefax 0721 133-6109
E-Mail: planverfahren@stpla.karlsruhe.de

Vorhabenbezogener Bebauungsplan
VbB Kolberger Straße_Internet

Erläuterungsbericht
180425_Plakat Kolberger Straße

Quelle: Stadt Karlsruhe, Stadtplanungsamt
https://www.karlsruhe.de/b3/bauen/bebauungsplanung/plaene/kolberger_str_3-5